Archiv der Kategorie 'Ankündigungen'

Jargon der Israelkritik

30. November 2012, 19 Uhr
Universität Freiburg, Hörsaal 1224 (Kollegiengebäude I)

Obwohl es ihnen niemand streitig macht, beharren die Israelkritiker auf ihrem Recht, ihre Meinung über und gegen den jüdischen Staat zu äußern. Indem sie sich, in Hegels Worten, auf ihr inwendiges Orakel berufen, darauf nämlich, dass es sich dabei eben um ihre Meinung handle, schotten sie sich ihrerseits ab gegen Kritik. Dagegen wäre der Begriff der Meinung mit dem des wahrheitsfähigen Denkens und Urteilens zu konfrontieren. Das fordert, die beschwiegenen Voraussetzungen der Israelkritik zu benennen und mithin die Voraussetzungen politischen Urteilens selbst zu reflektieren. In dieser Konfrontation erweist sich die Israelkritik als Jargon, dessen scheinbar unschuldige Naivität nur Ausdruck schlecht kaschierten Ressentiments ist.

Die Veranstaltung wird organisiert vom stipendiatischen Arbeitskreis Antisemitismus – Analyse & Kritik beim Studienwerk der Rosa Luxemburg Stiftung, dem Landesarbeitskreis (LAK) Shalom Baden-Württemberg der Linksjugend Solid und dem Jungen Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Freiburg und findet im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus statt.

Zur Kritik des regressiven Antikapitalismus

13. April 2012, 19 Uhr
Berlin, Amadeu Antonio Stiftung, Linienstraße 139
Vortrag und Diskussion mit Sebastian Voigt

»Geld regiert die Welt, doch wer regiert das Geld?« Derartige Parolen finden sich auf fast jeder Demonstration der Occupy-Bewegung. Ein Prozent der Bevölkerung scheint die Fäden in der Hand zu halten, die Ökonomie zu kontrollieren und auf wundersame Weise reich zu werden. Dem stehen die 99 Prozent gegenüber, die sich auf der moralisch richtigen Seite wähnen und sich empören.

In dieser populistischen Sicht kommt ein verdrehtes Verständnis der kapitalistischen Gesellschaft zum Ausdruck. Statt die kapitalistische Vergesellschaftung als ein soziales Verhältnis zu kritisieren, wird nach vermeintlichen Hintermännern gesucht, die für die Krise verantwortlich seien. Bei der Suche nach den konkret Verantwortlichen ist der Antisemitismus nicht weit.

Diese Zusammenhänge sollen in dem Vortrag beleuchtet werden. Außerdem soll diskutiert werden, wann eine Kritik am Kapitalismus Gefahr läuft, regressiv zu werden und antisemitische Ressentiments zu bedienen.

Der Referent Sebastian Voigt hat vielfältig wissenschaftlich und journalistisch unter anderem zu den Themen Antisemitismus und Antiamerikanismus publiziert.

Die Veranstaltung wird organisiert vom AK Antisemitismus beim Studienwerk der Rosa Luxemburg Stiftung und vom LAK Shalom Berlin der Linksjugend Solid.

Deutsche Ideologie oder deutsche Befindlichkeiten? Streitgespräch über die Linke, den Zionismus und den Antisemitismus

Mit Marcus Hawel und Joachim Bruhn.
Moderation: Wenke Christoph.

27. März 2012, 20 Uhr
Ferienakademie der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Brandenburg, Jugendbildungszentrum Blossin e.V.

Das Ende der durch die Alliierten erzwungenen Teilung Deutschlands, der erste Golfkrieg, die zweite Intifada und schließlich die Terroranschläge vom 11. September 2001 markieren welthistorische Ereignisse, die einschneidende Erfahrungen auch für die Linke in Deutschland zu bedeuten hätten. Seit Anfang der 1990er Jahre wurden scheinbar unhintergehbare Gewissheiten linker Identität, die das kurze 20. Jahrhundert dominierten, dementsprechend immer wieder in Frage gestellt und doch halten sie sich, in teilweise transformierter Form, weiterhin beharrlich. Die von antideutschen Kommunist_innen an und gegen die Linke vorgebrachte Kritik des antisemitischen Charakters des praktizierten Antifaschismus, Antiimperialismus und Antikapitalismus verdichtete sich alsbald in der zum mitunter gewalttätigen Konflikt ausgearteten Gretchenfrage: »Wie hast du’s mit dem Judenstaat?«

Auch das Studienwerk der Rosa-Luxemburg-Stiftung blieb von diesem Konflikt nicht unberührt. Unter den aneinander vorgebrachten Vorwürfen des Rassismus, des Bellizismus oder des Geschichtsrevisionismus einerseits und der Gegenaufklärung, des Kulturrelativismus sowie des Antisemitismus andererseits wurden geplante Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen zur Disposition gestellt und mitunter verhindert. Dieser Situation geschuldet, soll die Auseinandersetzung um antideutsche Kritik, statt sie nur aneinander vorbei zu führen, nun auf ein gemeinsames Podium getragen werden. Marcus Hawel und Joachim Bruhn werden mit einem Streitgespräch an eine der linken Traditionen anknüpfen, die den Vorteil bietet, nicht in einer dem Ritual ähnelnden Forderung nach Konsens münden zu müssen. Vielmehr wären, wie es so schön heißt, die Karten erst einmal offen auf den Tisch gelegt und die Gäste des Streits können die gegen- und aneinander vorgebrachten Kritiken auf ihre jeweilige Qualität überprüfen.

Marcus Hawel ist Mitarbeiter des Studienwerks der Rosa-Luxemburg-Stiftung, betreut die jüngst angelaufene Seminarreihe »Linke Perspektiven auf den Nahostkonflikt« und ist unter anderem Herausgeber des Sammelbandes »Der Nahostkonflikt. Befindlichkeiten der deutschen Linken.« Er vertritt die Position, der Blick auf den israelisch-palästinensischen Konflikt werde hierzulande von deutschen Befindlichkeiten überschattet und legitime Israel- und insbesondere Zionismuskritik werde zuweilen unzulässigerweise mit Antisemitismus gleichgesetzt. Hawel plädiert dafür, die Auseinandersetzungen um die Vernunft des Zionismus nach Auschwitz nicht mit denen um den israelisch-palästinensischen Konflikt zu vermengen, sondern beides im Interesse eines realpolitischen Ansatzes zur Lösung der Konflikte getrennt voneinander zu behandeln. Er versucht eine äquidistante Position im Nahostkonflikt zu beziehen und hält langfristig die Gründung eines gemeinsamen israelisch-palästinensischen Staates für vernünftig.

Joachim Bruhn ist Mitglied der Freiburger Initiative Sozialistisches Forum und Mitbetreiber des ça ira-Verlags. Er hat unter anderem das Buch »Was deutsch ist. Zur kritischen Theorie der Nation« veröffentlicht, insistiert darauf, dass Kritik, die die Erfahrung von Auschwitz nicht in das Innerste ihrer Kategorien aufzunehmen und zu reflektieren bereit ist, deutsche Ideologie wäre und möchte die Einheit der Kritik bewahren. Die Barbarei als eine qualitativ neue, dem Kapital entsprungene wie auch entronnene Gesellschaftsform affiziere den Zeitkern der Wahrheit, die Unterscheidung von Antisemitismus und Antizionismus, wie auch deren zeitgemäße Erscheinungsform mit dem Namen Israelkritik, gehöre dem Arsenal der Propaganda an. Israel und seine Armee würden den bewaffneten Arm der revolutionären Kritik im Stande ihrer gesellschaftlichen Unmöglichkeit darstellen und damit beweisen, dass die Militanz der Vernunft noch eine Zukunft hätte. Ein israelisch-palästinensischer Einheitsstaat wäre das Gegenteil der Vernunft, ihre Verwirklichung stattdessen die Abschaffung des Antisemitismus in der staaten- und klassenlosen Weltgesellschaft. Zur vorbereitenden Lektüre empfiehlt Bruhn die von der ISF herausgegebene Aufsatzsammlung: »Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten. Über Israel und die linksdeutsche Ideologie.«

Mythos »Nakba«: Die Entstehung Israels – Legenden und Wirklichkeit

04. November 2011, 19 Uhr
Berlin, Amadeu Antonio-Stiftung, Linienstr. 139
Vortrag und Diskussion mit Alex Feuerherdt

Nur wenige Stunden nach der Gründung Israels am 14. Mai 1948 – die dem ein knappes halbes Jahr zuvor verabschiedeten Teilungsbeschluss der Vereinten Nationen folgte – erklärten Ägypten, Transjordanien, Syrien, der Libanon, Saudi-Arabien und der Irak dem jüdischen Staat den Krieg und griffen ihn an. Das erklärte Ziel der arabischen Allianz war es dabei, Israel mit militärischen Mitteln zu beseitigen, doch den israelischen Streitkräften gelang es, das Land zu verteidigen und die gegnerischen Armeen zu schlagen. Im Zuge dessen, aber auch schon während des vorangegangenen Bürgerkrieges zwischen jüdischen und arabischen Milizen, verließen mehrere hunderttausend palästinensische Araber das Land – teilweise infolge von Kriegshandlungen, vielfach jedoch auch auf Geheiß der arabischen Staaten, die freie Bahn für ihren Angriff haben wollten und eine triumphale Eroberung und Zerstörung Israels ankündigten.

Gleichwohl vertritt die palästinensische Seite bis heute unverrückbar die Position, dass die Gründung des jüdischen Staates eine »Nakba«, also eine Katastrophe gewesen sei – vergleichbar mit dem Holocaust – und dass erst jüdisch-zionistische Milizen und danach die israelische Armee die palästinensischen Araber gezielt und systematisch von ihrer heimischen Scholle vertrieben hätten. Dieser zählebige Mythos wird auch von den europäischen Sympathisanten der Palästinenser vertreten, die dabei wesentliche historische Entwicklungen und Ereignisse ausblenden oder verdrehen und die Araber respektive Palästinenser für gewöhnlich als so unschuldige wie harmlose Opfer einer generalstabsmäßig geplanten zionistischen Aggression betrachten.

Diese Sicht- und Herangehensweise folgt einer in den Gesellschaftswissenschaften höchst populären postmodernen Strömung, die keine historischen Tatsachen mehr kennen will, sondern nur noch »Narrative«, also angeblich gleichwertige subjektive Erzählungen von »Betroffenen«. Ist dieser Ansatz ganz grundsätzlich mehr als fragwürdig – weil es ihm nicht um die Wahrheit zu tun ist, sondern bloß um Befindlichkeiten und »Identitäten« –, so führt er in Bezug auf den »Nahostkonflikt« absichtsvoll zu einer Dämonisierung und Delegitimierung Israels: Aus einer scheinbar äquidistanten Position heraus werden dem Zionismus und dem jüdischen Staat letztlich die Existenzberechtigung abgesprochen, werden die Palästinenser zu den »Opfern der Opfer« und die Israelis zu Okkupanten, Räubern und Mördern. Der antisemitische Subtext ist dieser Methode immer schon eingeschrieben.

Der Vortrag von Alex Feuerherdt wird sich dem Mythos »Nakba« sowie weiteren Legenden im Zusammenhang mit der Gründung des Staates Israel widmen und prüfen, weshalb sie bis heute gepflegt werden, warum sie so überaus populär sind, wie sich demgegenüber die Wirklichkeit darstellt und warum eigentlich niemand ein Rückkehrrecht für die Hunderttausenden Juden fordert, die 1948/49 aus den arabischen Staaten, in denen sie lebten, fliehen mussten.

Alex Feuerherdt (42) ist Lektor und freier Publizist. Er lebt in Köln und schreibt schwerpunktmäßig über den Nahen Osten, u.a. für Konkret, die Jungle World, die Jüdische Allgemeine und den Tagesspiegel.

Die Veranstaltung wird organisiert vom stipendiatischen Arbeitskreis Antisemitismus beim Studienwerk der Rosa-Luxemburg-Stiftung und unterstützt vom LAK Shalom Berlin.

Feindbild Israel – Der ewige Sündenbock

19. März 2011, 15 Uhr
Berlin, Karl-Liebknecht-Haus
Vor­trag und Dis­kus­si­on mit Dr. Til­man Ta­rach

Über keinen Staat gibt es so viele Gerüchte wie über Israel. Tilman Tarach zeigt, daß die deutschen Medien, aber auch Organisationen wie die Uno und jede Menge »Israelkritiker« den Stoff liefern, aus dem diese diffamierenden Legenden gestrickt werden. Die alte Parole »Die Juden sind schuld« wird heute in weiten Teilen der Gesellschaft begierig auf den jüdischen Staat angewendet, und zwar reichlich unabhängig davon, wie er sich verhält.

Tilman Tarach zeichnet die entscheidenden historischen und aktuellen Aspekte des Nahostkonflikts nach und zeigt auf, welch groteskes zweierlei Maß in der allgemeinen Debatte um Israel Anwendung findet. Die dargelegten Fakten und Zusammenhänge werden selbst viele Freunde Israels überraschen; den Apologeten einer wohlfeilen »Israelkritik« hingegen sind sie unangenehm.

Tilman Tarach (Freiburg) ist Jurist aus Freiburg im Breisgau und Autor des Buches »Der ewige Sündenbock. Heiliger Krieg, die ‘Protokolle der Weisen von Zion’ und die Verlogenheit der sogenannten Linken im Nahostkonflikt«. Artikel von ihm erschienen in Konkret und Jerusalem Post.

Die Veranstaltung wird vom Landesarbeitskreis Shalom Berlin in der Linksjugend [’solid] und dem stipendiatischen Arbeitskreis Antisemitismus beim Studienwerk der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisiert.