Audiomitschnitt »Mythos ›Nakba‹«

Am 4. November 2011 war Alex Feuerherdt vom AK Antisemitismus nach Berlin geladen und referierte vor etwa 80 Gästen in den Räumen der Amadeu-Antonio-Stiftung zum Thema »Mythos ›Nakba‹ – Die Entstehung Israels – Legenden und Wirklichkeit«. Im ersten Teil seines Referats führte er aus, wie sich die unmittelbare Vorgeschichte der Gründung des jüdischen Staates sowie die Ereignisse des israelischen Unabhängigkeitskrieges zugetragen haben und warum vor diesem Hintergrund das Geschwätz von der ›Nakba‹ durch palästinensische Araber und ihre globalen Unterstützer als nichts denn antiisraelische Propaganda zu begreifen ist. Im zweiten Teil stand dann die Frage im Mittelpunkt, warum die antisemitischen Lügen, die im ›Nakba‹-Geschwätz ihren Ausdruck finden, gerade in Deutschland so unheimlich beliebt sind und sich gegen jegliche Aufklärungsversuche als resistent erweisen. Ein Audio-Mitschnitt dieser Veranstaltung kann nun hier heruntergeladen werden:

Audiomitschnitt der Veranstaltung »Mythos ›Nakba‹«

Mythos »Nakba«: Die Entstehung Israels – Legenden und Wirklichkeit

04. November 2011, 19 Uhr
Berlin, Amadeu Antonio-Stiftung, Linienstr. 139
Vortrag und Diskussion mit Alex Feuerherdt

Nur wenige Stunden nach der Gründung Israels am 14. Mai 1948 – die dem ein knappes halbes Jahr zuvor verabschiedeten Teilungsbeschluss der Vereinten Nationen folgte – erklärten Ägypten, Transjordanien, Syrien, der Libanon, Saudi-Arabien und der Irak dem jüdischen Staat den Krieg und griffen ihn an. Das erklärte Ziel der arabischen Allianz war es dabei, Israel mit militärischen Mitteln zu beseitigen, doch den israelischen Streitkräften gelang es, das Land zu verteidigen und die gegnerischen Armeen zu schlagen. Im Zuge dessen, aber auch schon während des vorangegangenen Bürgerkrieges zwischen jüdischen und arabischen Milizen, verließen mehrere hunderttausend palästinensische Araber das Land – teilweise infolge von Kriegshandlungen, vielfach jedoch auch auf Geheiß der arabischen Staaten, die freie Bahn für ihren Angriff haben wollten und eine triumphale Eroberung und Zerstörung Israels ankündigten.

Gleichwohl vertritt die palästinensische Seite bis heute unverrückbar die Position, dass die Gründung des jüdischen Staates eine »Nakba«, also eine Katastrophe gewesen sei – vergleichbar mit dem Holocaust – und dass erst jüdisch-zionistische Milizen und danach die israelische Armee die palästinensischen Araber gezielt und systematisch von ihrer heimischen Scholle vertrieben hätten. Dieser zählebige Mythos wird auch von den europäischen Sympathisanten der Palästinenser vertreten, die dabei wesentliche historische Entwicklungen und Ereignisse ausblenden oder verdrehen und die Araber respektive Palästinenser für gewöhnlich als so unschuldige wie harmlose Opfer einer generalstabsmäßig geplanten zionistischen Aggression betrachten.

Diese Sicht- und Herangehensweise folgt einer in den Gesellschaftswissenschaften höchst populären postmodernen Strömung, die keine historischen Tatsachen mehr kennen will, sondern nur noch »Narrative«, also angeblich gleichwertige subjektive Erzählungen von »Betroffenen«. Ist dieser Ansatz ganz grundsätzlich mehr als fragwürdig – weil es ihm nicht um die Wahrheit zu tun ist, sondern bloß um Befindlichkeiten und »Identitäten« –, so führt er in Bezug auf den »Nahostkonflikt« absichtsvoll zu einer Dämonisierung und Delegitimierung Israels: Aus einer scheinbar äquidistanten Position heraus werden dem Zionismus und dem jüdischen Staat letztlich die Existenzberechtigung abgesprochen, werden die Palästinenser zu den »Opfern der Opfer« und die Israelis zu Okkupanten, Räubern und Mördern. Der antisemitische Subtext ist dieser Methode immer schon eingeschrieben.

Der Vortrag von Alex Feuerherdt wird sich dem Mythos »Nakba« sowie weiteren Legenden im Zusammenhang mit der Gründung des Staates Israel widmen und prüfen, weshalb sie bis heute gepflegt werden, warum sie so überaus populär sind, wie sich demgegenüber die Wirklichkeit darstellt und warum eigentlich niemand ein Rückkehrrecht für die Hunderttausenden Juden fordert, die 1948/49 aus den arabischen Staaten, in denen sie lebten, fliehen mussten.

Alex Feuerherdt (42) ist Lektor und freier Publizist. Er lebt in Köln und schreibt schwerpunktmäßig über den Nahen Osten, u.a. für Konkret, die Jungle World, die Jüdische Allgemeine und den Tagesspiegel.

Die Veranstaltung wird organisiert vom stipendiatischen Arbeitskreis Antisemitismus beim Studienwerk der Rosa-Luxemburg-Stiftung und unterstützt vom LAK Shalom Berlin.

Feindbild Israel – Audiomitschnitt verfügbar

Am 19. März 2011 referierte Tilman Tarach zum Thema »Feindbild Israel – Der ewige Sündenbock« im Karl-Liebknecht-Haus in Berlin. Ein Mitschnitt des Referats sowie der anschließenden Diskussion steht nun hier zur Verfügung:

Vortrag:

Diskussion:

Die Grenzen der Auseinandersetzung

Stellungnahme des AK Antisemitismus zur Verhinderung seiner Veranstaltung auf der Ferienakademie der Rosa-Luxemburg-Stiftung durch das Studienwerk

„Freiheit ist immer nur Freiheit des anders Denkenden. Nicht wegen des Fanatismus der ‚Gerechtigkeit‘, sondern weil all das Belehrende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die ‚Freiheit‘ zum Privilegium wird.“ (Rosa Luxemburg)

Am 19. März 2011 wird Tilman Tarach im Karl-Liebknecht-Haus zum Thema „Feindbild Israel – Der ewige Sündenbock“ referieren. Das Anliegen der Veranstaltung ist es, die in der Linken selbstverständlichen „Gewissheiten“ über den jüdischen Staat einer Kritik zu unterziehen und diesen antisemitischen Gerüchten Fakten entgegenzusetzen, die das geläufige Bild von israelischen Tätern und palästinensischen Opfern erschüttern. Was selbst noch in Räumen der Zentrale der israelfeindlichen Avantgarde der relevanten bundesdeutschen Parteienlandschaft, der Partei „Die Linke“, möglich zu sein scheint, markiert in der parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung jedoch die „Grenze der Auseinandersetzung“1.

Diese „Grenze der Auseinandersetzung“ haben zwei Mitarbeiter des Studienwerks der Stiftung, Marcus Hawel und Moritz Blanke, im vergangenen Jahr in einem Sammelband zum als Nahost-Konflikt verharmlosten antisemitischen Krieg gegen Israel als dann überschritten bestimmt, wenn innerhalb der deutschen Linken „sich wechselseitig Antisemitismus, Philosemitismus oder Rassismus“ vorgeworfen und „die Linke zumindest zu diesem Thema paralysiert“ wird.2 Es soll hier nicht näher darauf eingegangen werden, dass sich das Studienwerk dennoch entblößte, Tilman Tarach ohne haltbaren Beleg Rassismus vorzuwerfen, um einen vom AK Antisemitismus vorgeschlagenen Einzelvortrag von Tilman Tarach auf der Ferienakademie der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu verunmöglichen. Vielmehr als die eigene Inkonsequenz des Studienwerks hinsichtlich der selbst gesetzten Grenzen der Auseinandersetzung, sind es diese Grenzen überhaupt, die den Gegenstand der Kritik markieren. Denn wo der Antisemitismus gedeihen kann, ist an die Emanzipation des Menschen nicht zu denken und wo die Benennung des Antisemitismus einem innerlinken Burgfrieden Willen zu unterbleiben hat, manifestiert jene Linke sich als Hort der Gegenaufklärung. Es ist nicht die Benennung des Antisemitismus, welche die Linke paralysiert, sondern es ist der Antisemitismus als solcher.

Bis heute ist Jean Amérys Ende der 1960er Jahre formulierte Hoffnung, dass der „Augenblick einer Revision und neuen geistigen Selbstbestreitung der Linken gekommen [ist]“, durch diese Linke immer und immer wieder enttäuscht, ja mehr noch: zertreten und zerschlagen worden, „denn sie [die Linke] ist es, die dem Antisemitismus eine ehrlose dialektische Ehrbarkeit zurückgibt“3. Der Antisemitismus, dem durch die Existenz und Verteidigungsfähigkeit des Staates Israel objektive Grenzen gesetzt werden, ist mit den Worten Amérys „im Anti-Israelismus oder Anti-Zionismus wie das Gewitter in der Wolke [enthalten]“4, er reproduziert sich geopolitisch nach der Shoah und nach der gegen arabische Aggressionen erfolgreich durchgesetzten israelischen Staatsgründung als Antizionismus. Wie jeder Antisemitismus ist auch der Antizionismus der deutschen Linken in nichts anderem begründet als in projektivem Selbsthass.

Insofern scheint auch Sartres Erkenntnis in die Linke keinen Einzug gefunden zu haben, nämlich dass „der Antisemitismus des Antisemiten von keinem äußeren Faktor herstammt“5, dass er also weder historischen oder sozialen Tatsachen geschuldet ist, noch in gemachten Erfahrungen gründet. Im Gegenteil, erkannte Sartre, ist es der Antisemitismus, „der die Erfahrung beleuchtet“6. Nichts hat er mit israelischen Selbstverteidigungsmaßnahmen oder elenden materiellen Lebensbedingungen der zu Palästinensern kollektivierten Einzelnen zu tun, sondern mit der antisemitischen, islamistischen Propaganda von Hamas und anderen Gotteskriegern und vor allem mit der Furcht des Antisemiten vor Individualität, Freiheit, Verantwortung und Veränderung, wenn sich der nächste von ihnen „Allahu akbar“ schreiend in einer israelischen Einkaufsstraße in die Luft sprengt um möglichst viele Juden zu morden.

Wenn die erwähnten Mitarbeiter des Studienwerks mit ihrem Sammelband, in dem linke Identität und Gemeinschaft gegen die viel beschworene Antisemitismuskeule in Stellung gebracht werden, einen Beitrag dazu leisten wollen, „die gegenwärtige festgefahrene Kontroverse über den Nahostkonflikt innerhalb der Linken in Deutschland in produktive Bahnen zurückzuführen7 – als ob es eine innerlinke Tradition der Kritik des Antisemitismus überhaupt gäbe, an die es anzuknüpfen gelte – dann möchten wir eine solche Linke lieber heute als morgen auf dem Müllhaufen der Geschichte wiederfinden. Weil der linken Tradition die Kritik des Antisemitismus nichts, aber dafür die Sache der Palästinenser alles ist, wird auch das Studienwerk nicht müde zu betonen, dass für Israel parteinehmende Polemiken zu einer Lösung des so genannten „Nahost-Konflikts“ nichts beitragen. Weil der „Nahost-Konflikt“, dem erwähnten Sammelband zufolge, mit dem Antisemitismus diskursiv vermengt werde – als seien die toten Israelis Opfer eines Sprechaktes –, sein Kern jedoch vielmehr in der Okkupation „palästinensischen“ Territoriums, der Unterdrückung der Palästinenser, der Verhinderung ihrer „nationalen Selbstbestimmung“8 und schließlich – das darf nicht fehlen – in „Apartheid“9 bestünde, ist eine Kritik des Antisemitismus, auf die in jenem Sammelband daher auch vollkommen verzichtet wird, ein undifferenziertes, zu einseitiges, gar geschichtsrevisionistisches und rassistisches Anliegen.

Weil wir aber für die Gegenwart wissen und für die Zukunft inständig hoffen, dass der „Nahost-Konflikt“ weder auf der Ferienakademie der Rosa-Luxemburg-Stiftung noch durch die deutsche Linke gelöst werden wird, lassen wir uns nicht auf eine Diskussion über diese größenwahnsinnige Illusion ein und vertrauen stattdessen vielmehr in die israelische Diplomatie und in Israels Verteidigungskräfte, eine Endlösung des „Nahost-Konflikts“ zu verhindern. Wir wollen die Kritik des Antisemitismus in den Mittelpunkt rücken, weil wir mit diesem unmittelbar auch und gerade in der Rosa-Luxemburg-Stiftung konfrontiert sind und uns davon versprechen, zumindest die linken Selbstverständlichkeiten Einzelner ins Wanken zu bringen und mit unseren bescheidenen Möglichkeiten die linke Gemeinschaft in ihrem Israel-Bild zu verunsichern. Wir werden alle Räume, die uns für dieses Vorhaben zur Verfügung stehen, nutzen, auch wenn das Studienwerk die Ferienakademie der Rosa-Luxemburg-Stiftung als Raum für eine kompromisslose Antisemitismuskritik verweigert.

AK Antisemitismus, März 2011

  1. Hawel, Blanke (2010): Der Nahostkonflikt. Befindlichkeiten der deutschen Linken. 7.
  2. Hawel, Blanke (2010): Der Nahostkonflikt. 7.
  3. Améry (1969): Der ehrbare Antisemitismus.
  4. Améry (1969): Der ehrbare Antisemitismus.
  5. Sartre (1994): Überlegungen zur Judenfrage. 14.
  6. Sartre (1994): Überlegungen zur Judenfrage. 12.
  7. Hawel, Blanke (2010): Der Nahostkonflikt. 13. Hervorhebung d. A.
  8. Vgl. Hawel, Blanke (2010): Der Nahostkonflikt. 132.
  9. Hawel, Blanke (2010): Der Nahostkonflikt. 140.

Feindbild Israel – Der ewige Sündenbock

19. März 2011, 15 Uhr
Berlin, Karl-Liebknecht-Haus
Vor­trag und Dis­kus­si­on mit Dr. Til­man Ta­rach

Über keinen Staat gibt es so viele Gerüchte wie über Israel. Tilman Tarach zeigt, daß die deutschen Medien, aber auch Organisationen wie die Uno und jede Menge »Israelkritiker« den Stoff liefern, aus dem diese diffamierenden Legenden gestrickt werden. Die alte Parole »Die Juden sind schuld« wird heute in weiten Teilen der Gesellschaft begierig auf den jüdischen Staat angewendet, und zwar reichlich unabhängig davon, wie er sich verhält.

Tilman Tarach zeichnet die entscheidenden historischen und aktuellen Aspekte des Nahostkonflikts nach und zeigt auf, welch groteskes zweierlei Maß in der allgemeinen Debatte um Israel Anwendung findet. Die dargelegten Fakten und Zusammenhänge werden selbst viele Freunde Israels überraschen; den Apologeten einer wohlfeilen »Israelkritik« hingegen sind sie unangenehm.

Tilman Tarach (Freiburg) ist Jurist aus Freiburg im Breisgau und Autor des Buches »Der ewige Sündenbock. Heiliger Krieg, die ‘Protokolle der Weisen von Zion’ und die Verlogenheit der sogenannten Linken im Nahostkonflikt«. Artikel von ihm erschienen in Konkret und Jerusalem Post.

Die Veranstaltung wird vom Landesarbeitskreis Shalom Berlin in der Linksjugend [’solid] und dem stipendiatischen Arbeitskreis Antisemitismus beim Studienwerk der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisiert.